Obwohl Deutschland auf dem Gebiet der Forschung im international weit vorne mit dabei ist, gelingt der Sprung hin zu marktwirksamen Innovationen zu selten („European Paradox“). Entscheidende Hürden liegen unter anderem in Förderlogiken, die häufig auf frühe Technologiereifegrade fokussieren. Eine neue Förderrichtlinie soll diese Lücke zwischen Forschung und Markt, auch „Valley of Death“ genannt, schließen.

Förderung von Durchbruchsinnovationen in KI und digitalen Schlüsseltechnologien
Konsultation: BMDS erarbeitet neue Förderrichtlinie
Digitale Schlüsseltechnologien – allen voran Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln sich rasant, sind hochvernetzt, automatisiert und sicherheitsgetrieben. Sie durchdringen alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche und berühren dabei auch ethische, grundrechtliche und gesellschaftliche Fragen. Gleichzeitig verschärfen internationaler Wettbewerb – insbesondere durch die USA und China – und geopolitische Entwicklungen den Handlungsdruck.
European Paradox: Stark in der Theorie, schlecht in der Umsetzung
Deutschland und Europa sind sehr stark in der Grundlagenforschung. Beispielsweise investierte Deutschland im Jahr 2023 über drei Prozent des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung. Deutschland gehört damit laut dem European Innovation Scoreboard 2025 zu den „Strong Innovators“ und produziert viele hochwissenschaftliche Publikationen. Dennoch gelingt es weniger gut, diese wissenschaftliche Stärke in marktfähige Produkte, Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg umzusetzen – das viel zitierte „European Paradox“.
Neben Faktoren wie einer geringen Risikobereitschaft, einem fragmentierten europäischem Markt und langwierigen Verfahren müssen auch die Förderlogiken selbst auf den Prüfstand. Denn sie entscheiden maßgeblich darüber, ob Forschungsergebnisse tatsächlich den Weg in den Markt finden. Viele bestehende Programme fördern vorrangig Publikationen und frühe Prototypen. Ohne Anschlussförderung verpuffen Innovationen an der Schwelle zur Umsetzung.
Förderziel: Innovationen auf den Markt bringen
Hier setzt die geplante Förderrichtlinie an: Sie soll diese Lücke, auch „Valley of Death“ genannt, schließen und den Transfer zwischen Forschung und marktwirksamer Anwendungen deutlich beschleunigen. Dabei sollen ethische, technische und sicherheitsbezogene Standards gewährleistet werden.
Die angestrebten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte sollen die technologische Machbarkeit, die wirtschaftliche Umsetzbarkeit und den konkreten Nutzen neuer, innovativer digitaler Technologien und Anwendungen demonstrieren. Die Förderung soll zudem die Voraussetzungen für die Etablierung und Verbreitung von Geschäftsmodellinnovationen schaffen.
Damit wollen wir Deutschland als Spitzenstandort für digitale Zukunftstechnologien positionieren und zugleich unsere Wettbewerbsfähigkeit sowie unsere digitale Souveränität stärken. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups werden gezielt einbezogen, um den Transfer in neue Geschäftsmodelle und konkrete Anwendungsfelder zu beschleunigen. Damit setzen wir zentrale Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um.
Konsultationsprozess
Zur Erarbeitung der Förderrichtlinie hat das BMDS im März 2026 einen Konsultationsprozess durchgeführt. Die Online Umfrage fand vom 2. bis 23. März 2026 statt. Ziel war es zu erfahren, wo in der Praxis Herausforderungen bestehen, welche Förderbedarfe besonders relevant sind, was Innovationen bremst und wie der Transfer zwischen Forschung und Markt besser gelingen kann.
Auswertung der Stakeholder-Konsultation zur Förderrichtlinie
Vielen Dank für die engagierte Beteiligung an der Umfrage, die uns im BMDS wertvolle Einblicke in Bedarfe und Sichtweisen der Stakeholder gegeben hat und damit maßgeblich zur Gestaltung der Förderrichtlinie beiträgt. Die mehr als 1.000 Rückmeldungen unterstützen uns enorm dabei, die Förderung wirksam und praxistauglich an tatsächlichen Herausforderungen auszurichten. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die administrativen Prozesse im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter zu flexibilisieren, um Grundlagen für eine effiziente und nutzerorientierte Förderpraxis zu schaffen. Die Umfrageergebnisse stehen als Download [PDF, 3 MB] zur Verfügung.
Ausblick
Die Ergebnisse der Konsultation fließen in die Ausarbeitung der Förderrichtlinie ein. Die Veröffentlichung der Richtlinie und des ersten Förderaufrufs ist derzeit für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.