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Bundesminister Wildberger auf IFA 2026: „Die Zukunft ist nicht einfach da, sie wird gebaut“
Digitalminister erlebt KI-Innovationen zum Anfassen – vom lokalen KI-Supercomputer bis zum autonomen Geschirrspüler
„The future is now“ – unter diesem Motto findet aktuell die 100. Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin statt. Gemeinsam mit Silke Launert (Parlamentarische Staatsekretärin im Bundeswirtschaftsministerium), dem Finanzsenator Stefan Evers und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey aus Berlin absolvierte der Minister den traditionellen Eröffnungsrundgang über das Messegelände.
KI, die lokal läuft und Energie spart
Der Rundgang führte die Delegation zu insgesamt 16 Stationen, an denen Aussteller Weltneuheiten und Innovationen, die den Alltag verändern sollen, präsentieren.
Den Auftakt machte AMD im CityCube: Ein Mini-PC, der KI-Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern komplett offline und lokal ausführt – ein Stück Cloud, das auf den Schreibtisch passt. Bei Bosch stand ein Backofen aus der „Green Collection“ im Fokus, der durch CO₂-reduzierte Materialien einen um 20 Prozent kleineren Fußabdruck hat. Kärcher zeigte einen Waschsauger mit Heißwasser-Technologie gegen hartnäckige Flecken.
Ein Highlight war der Stopp bei Miele: Dr. Reinhard Zinkann, geschäftsführender Gesellschafter, präsentierte der Delegation einen autonomen Geschirrspüler. Liebherr demonstrierte mit „TruAdapt“ eine KI-Funktion, die Gefriergeräte das Nutzungsverhalten lernen lässt, um Energie zu sparen.
Weitere Stationen: AEG zeigte einen Pizzaofen mit 340 Grad und einen KI-Kochassistenten, den die Delegation per Sprachbefehl live steuerte. Hama präsentierte ein Fitnessband mit integriertem GPS. Xiaomi brachte den humanoiden Roboter „CyberOne“ und eine Open-Source-KI für Robotik mit. Bei FRITZ! stand das 40-jährige Jubiläum im Zeichen digitaler Souveränität: eine neue FRITZ!Box-Generation mit Wi-Fi 7 und Engagement in der europäischen Allianz SAFENet. Meta und CUPRA zeigten KI-Datenbrillen als Fahrzeugbegleiter, bevor der Rundgang zu Start-ups bei IFA Next (u. a. InspectionDrone) und zu Metz (integrierter High-End-Sound) sowie LG (kabelloser Wallpaper-TV) führte.
„Nicht warten – machen“: Wildbergers Appell an Wirtschaft und Politik
Im Anschluss an den Rundgang eröffnete er das Panel „Digitalpolitik im Praxischeck – Was Deutschland für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit braucht“ im CityCube mit einem Impulsvortrag. Er lobte die Innovationskraft der Branche: „Ich war zwei Jahre nicht hier. Ich muss sagen, in zwei Jahren in diesem Sektor passiert unglaublich viel.“ Er sei sehr beeindruckt von den deutschen Unternehmen mit vielen nachhaltigen innovativen Lösungen. „Wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit dort gearbeitet wird – ich glaube, das ist auch ein Anspruch für uns.“
Zur vollständigen Rede des Ministers
Vom statischen zum dynamischen Produkt
Der Minister machte deutlich, dass gute Produkte und Innovationen und nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern Entwicklung, Investition, Mut und Entscheidung, die der Kunde oft nicht sehe, aber im Produkt spüre. Im Zeitalter der KI sei das Produkt die Fähigkeit, immer schneller die nächste bessere Version vom Band laufen zu lassen. Aber „Mehr ist nicht automatisch besser. Menschen kaufen keine Parameter, keine KI, sie kaufen gewonnene Zeit, Verlässlichkeit, Komfort, Sicherheit, Vertrauen, Erfahrung, Gefühl – ein gutes Produkt lässt uns die Wirkung spüren, aber nicht die Komplexität.“
„Tempo ist die Währung, das Gebot der Stunde“
Innovation allein reiche jedoch nicht, so der Minister. Europas Trumpfkarte in der Robotik liege nicht in menschenähnlichen Maschinen, sondern darin, bewährte Geräte – vom Saugroboter bis zur Pflegehilfe – mit Intelligenz auszustatten. Doch dieses „Fenster der Gelegenheit“ schließt sich schnell: Wer nur erfindet, aber die Fertigung in großem Maßstab anderen überlässt, verschenke Wohlstand und Handlungsspielraum. Digitale Souveränität bedeute für Wildberger daher nicht Abschottung, sondern die Freiheit, Technologien selbst zu beherrschen und Partner wählen zu können – wofür Forschung, Rechenleistung, Kapital und Produktion vor Ort verzahnt werden müssen. Der Appell an die Politik ist unmissverständlich: „Die Zukunft wird von Unternehmen gebaut, aber der Staat entscheidet mit, ob sie hier gebaut wird. Wir haben viel zu tun. Deshalb darf er Veränderungen nicht nur ankündigen, er muss sie liefern.“
Gleichzeitig benannte er Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Als konkrete Schritte der Bundesregierung nannte er die Rechenzentrumsstrategie, den Abbau von Berichtspflichten durch Umkehr der Beweislast und den digitalen Kombiantrag für Gründerinnen und Gründer.
„Innovation kommt sehr häufig von unten“
Wildberger warb für mehr Selbstbewusstsein im Standort Deutschland: „Wir haben eine wachsende Zahl von Unicorns. Natürlich ist das jetzt erst etwas, was sich verstetigen muss und beschleunigt werden muss, aber ich glaube, das ist ein gutes Signal.“ Er verwies auf aktuelle Start-up-Zahlen: 3.053 Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 – viele davon mit KI-Bezug.
Spitzengespräch mit Miele: Digitaler Produktpass als Praxisbeispiel
Im Anschluss an die Keynote diskutierte Wildberger mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Miele Gruppe Dr. Reinhard Zinkann – moderiert von Pinar Atalay – über den Industriestandort Deutschland im globalen Wettbewerb und wie eine Digitalisierung gelingt, die entlastet, statt neue Hürden aufzubauen.
Wildberger betonte, dass Deutschland schon innovativ sei, es aber massiven Aufholbedarf bei DeepTech gäbe. Man sei nicht mehr offen für Technologie. Neben der Bürokratie und den Rahmenbedingungen sorge er sich aber insbesondere um den deutschen Mindset, sofort die Risiken neuer Technologien zu bewerten. „KI ist riskant, aber es ist viel riskanter, diese Technologien nicht selber zu beherrschen, selber zu bauen und in Abhängigkeit zu geraten.“ Deutschland müsse seinen Mut wiederfinden. „Aufgabe in diesem Prozess ist es, dieses Land ein bisschen aufzuwecken“, dann sei der Minister sehr zuversichtlich.
Vorgeführt wurde zudem der digitale Produktpass (DPP). Miele präsentiert diesen als eines der ersten Unternehmen freiwillig und vor regulatorischer Pflicht. Wildberger hatte dazu im Vorfeld betont: „Miele kommt einer gesetzgeberischen Pflicht einfach voraus, weil es sinnhaft ist, sozusagen eine Produktidentität im Digitalen zu bauen. Und das finde ich ein fantastisches Produkt“.
Das gesamte Panel kann man hier sehen: zum Youtube-Stream
Die IFA 2026 ist noch bis Dienstag, 8. September, für Fachbesucher und Publikum geöffnet.