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Konsultationsprozess zur nationalen Rechenzentrumsstrategie

Im Rahmen der Strategieentwicklung hat das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) vom 21. August bis zum 21. September 2025 eine Online-Konsultation durchgeführt. 

Dabei sind beim BMDS insgesamt 152 Stellungnahmen eingegangen. Darunter 67 Stellungnahmen von Unternehmen, 32 Stellungnahmen aus dem Bereich Verbände, NGOs, Vereine, 31 Stellungnahmen von Universitäten und Forschungseinrichtungen und 22 Stellungnahmen aus dem öffentlichen Sektor von öffentlichen Unternehmen, Kommunen und Landesministerien. Weiter unten werden alle Organisationen sowie deren zugehörige Stellungnahmen aufgeführt.

Zentrale Ergebnisse der Konsultation

Leitfrage 1: Welche Merkmale und Rahmenbedingungen kennzeichnen aus Ihrer Sicht einen „zukunftsfähigen und leistungsstarken“ Rechenzentrumsstandort Deutschland im Jahr 2030?

  1. 100 % Versorgung aus erneuerbaren Energien und Integration in lokale Energienetze sind zentrale Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit.
     
  2. Energieeffizienz (z. B. durch Flüssigkühlung, Wärmerückgewinnung, intelligente Steuerung) wird als entscheidender Standortfaktor hervorgehoben.
     
  3. Rechenzentren müssen ihre Abwärme systematisch in Wärmenetze einspeisen, um zur Dekarbonisierung beizutragen.
     
  4. Ein leistungsstarker Standort erfordert eine sichere, stabile und bezahlbare Energieversorgung.
     
  5. Beschleunigte, digitale und konsolidierte Genehmigungsverfahren sind notwendig, um Investitionen und Innovation zu ermöglichen.
     
  6. Frankfurt wird als zentraler Standort und strategischer Knotenpunkt betont, insbesondere für Latenz, Netzanbindung und Clusterbildung.
     
  7. Technologische Innovationsfähigkeit (z. B. Exascale, GPU-, FPGA-, Quantenintegration) ist ein zentrales Merkmal.
     
  8. Carrier- und Cloud-neutrale Betriebsmodelle schaffen Investitionssicherheit und Wahlfreiheit.
     
  9. Nachhaltigkeit (inkl. ESG-Reporting, transparente Energie- und CO₂-Daten) ist ein zentrales Qualitätsmerkmal.
     
  10. Standort muss durch zuverlässige, leistungsfähige Strom- und Glasfaseranbindungen mit verbindlichen Zeitrahmen gesichert sein.

Leitfrage 2: Welche zentralen Herausforderungen und Chancen sehen Sie für den Rechenzentrumsstandort Deutschland in den kommenden Jahren?

Herausforderungen

  1. Fehlende oder unzureichende Energieinfrastruktur (Netze, Erzeugungskapazitäten, Preisniveau) stellt eine der größten Herausforderungen dar.
     
  2. Langsame, komplexe und uneinheitliche Genehmigungsverfahren verzögern Investitionen und Bauvorhaben erheblich.
     
  3. Hohe Energiekosten gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
     
  4. Mangelnde Verfügbarkeit von ausreichend erneuerbarem Strom an geeigneten Standorten erschwert den klimaneutralen Ausbau.
     
  5. Flächenknappheit und langwierige Planungsverfahren behindern den zügigen Aufbau neuer Rechenzentren.
     

Chancen

  1. Deutschland hat die Chance, sich als führender Standort für nachhaltige und souveräne Rechenzentren in Europa zu positionieren.
     
  2. Klimaneutralität und Nachhaltigkeit bieten Chancen für Innovationsführerschaft und Standortprofilierung.
     
  3. Es besteht die Chance, Abwärme aus Rechenzentren als Treiber der Wärmewende systematisch zu nutzen.
     
  4. HPC- und KI-Infrastrukturen bieten Chancen für Forschung, Innovation und wirtschaftliche Souveränität.
     
  5. Die Chance besteht, durch Standardisierung und offene Technologien Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Leitfrage 3: Welche Rahmenbedingungen sollten aus Ihrer Sicht wie verändert werden, um Rechenzentrumsinvestitionen zu fördern und Innovation zu ermöglichen?

  1. Genehmigungsverfahren müssen erheblich beschleunigt, digitalisiert und vereinheitlicht werden, um Planungssicherheit und Investitionsgeschwindigkeit zu erhöhen.
     
  2. Energieinfrastruktur (Stromnetze, Einspeisepunkte, Kapazitäten) muss gezielt ausgebaut und planbar bereitgestellt werden.
     
  3. Strompreise für Rechenzentren sollten wettbewerbsfähig gestaltet werden, z. B. durch Entlastungen, gezielte Tarife oder Abgabenreformen.
     
  4. Bereitstellung von ausreichend geeigneten Flächen an gut angebundenen Standorten ist zentral; Planungsprozesse müssen vereinfacht werden.
     
  5. Politische Rahmenbedingungen müssen stabile, langfristige Signale senden, um Vertrauen und Investitionen zu sichern.
     
  6. Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie an Rechenzentrumsstandorten muss verbessert und planungssicher gewährleistet werden.
     
  7. Einheitliche, transparente und praktikable Regulierung auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene ist erforderlich.
     
  8. Deutschland soll gezielt als Standort für nachhaltige und souveräne Rechenzentren strategisch positioniert werden.
     
  9. Verfahren zur Netzanbindung und Stromanschlüssen müssen beschleunigt, gebündelt und priorisiert werden.
     
  10. Standortpolitik soll Regionen mit hoher EE-Erzeugung und Netzkapazität priorisieren und aktiv entwickeln.
     

Leitfrage 4: Welche Rolle sollte der Staat bei der Entwicklung einer souveränen und resilienten Recheninfrastruktur einnehmen?

  1. Der Staat soll eine klare, langfristige Strategie für souveräne und resiliente Recheninfrastruktur entwickeln und umsetzen.
     
  2. Der Staat soll Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen und Innovation gezielt fördern.
     
  3. Der Staat soll Koordinator und Moderator zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Wirtschaft sein, um kohärentes Handeln zu ermöglichen.
     
  4. Der Staat soll den Ausbau von Energie- und Netzinfrastruktur aktiv steuern und beschleunigen, um Standortvoraussetzungen zu sichern.
     
  5. Der Staat soll durch Planungs- und Rechtssicherheit Vertrauen für private Investitionen schaffen.
     
  6. Der Staat soll strategisch wichtige Recheninfrastrukturen selbst aufbauen oder mitgestalten, um Souveränität sicherzustellen.
     
  7. Der Staat soll öffentliche Beschaffung gezielt als Hebel für Innovation und Souveränität einsetzen.
     
  8. Der Staat soll Investitionen in Forschung und Entwicklung (z. B. HPC, Chips, Software, Open Source) fördern, um technologische Unabhängigkeit zu stärken.
     
  9. Der Staat soll die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene (z. B. EU-Programme, Gaia-X, Chips Act) aktiv mitgestalten.
     
  10. Der Staat soll kritische Infrastruktur definieren, priorisieren und schützen, um Resilienz zu gewährleisten.
     

Leitfrage 5: Gibt es konkrete Maßnahmen oder Best Practices aus Ihrer Praxis/Erfahrung, die in die Strategie aufgenommen werden sollten?

  1. Beschleunigte Genehmigungsverfahren durch zentrale Anlaufstellen, digitale Prozesse und Fristenregelungen gelten als wirksamstes Instrument zur Standortentwicklung.
     
  2. Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren zur Einspeisung in Wärmenetze ist vielfach erprobte Praxis und soll strategisch verankert werden.
     
  3. Power Purchase Agreements (PPAs) und direkte Strombezugsverträge mit EE-Erzeugern sind etablierte Best Practices für klimaneutralen Betrieb.
     
  4. Clusterbildung (z. B. Energie- und Rechenzentrumscluster) ermöglicht gemeinsame Infrastruktur, Lastmanagement und Planungssicherheit.
     
  5. Modulare Bauweisen und standardisierte Rechenzentrumsdesigns beschleunigen Ausbau und senken Kosten.
     
  6. Integration in lokale Energie- und Wärmenetze wird als zentrale Maßnahme für Effizienz und Nachhaltigkeit hervorgehoben.
     
  7. Standardisierte Verfahren und Schnittstellen (z. B. offene APIs, interoperable Formate) fördern Innovation und erleichtern Betrieb.
     
  8. Zusammenarbeit mit Kommunen und Netzbetreibern in frühen Planungsphasen hat sich bewährt, um Engpässe und Konflikte zu vermeiden.
     
  9. Energieeffiziente Kühltechnologien (Freikühlung, Flüssigkühlung, Direktwasserkühlung) sind praxiserprobt und skalierbar.
     
  10. Regionale Standortentwicklung entlang verfügbarer EE-Kapazitäten und Netzanschlusspunkte ist ein wirkungsvoller Ansatz.
     
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